Bündelungsmaß - Theorie und Praxis

Einklappen
X
 
  • Zeit
  • Anzeigen
Alles löschen
neue Beiträge

  • MikeMcFluke
    antwortet
    Original geschrieben von VISATON
    (...)

    Ich schreibe zuerst mal was zum Beitrag von Mike: Ich finde die Argumentation nicht richtig.

    (...)
    Hallo!

    Ich lasse mich da gerne eines besseren belehren. Dennoch halte ich genau diesen Unterschied für den Entscheidenden!

    Die VOX steht nunmal immer anders im Raum als eine Compact! Ebensowenig ist mit der Mikrofonposition hier etwas zu "richten". Wenn ich auf einer Couch sitze, dann sitze ich, egal welcher LS da vor mir steht. Wenn die Größe der Box schlichtweg nicht zusammenpaßt, dann muß man in die Interpretation der Meßwerte nun auch noch die Höhe des Mikros erfassen!

    Ist hier nicht sinnvoller, jede Box an der für sie optimalen Position zu messen und analgo die andere ebenfalls. So entstehen zwei Messungen in einem Raum! Einmal kann man wunderbar die Veränderung anhand der Position des Mikros und einmal anhand der Box erkennen.

    Da das Mikrofon bei der Atlas nicht auf Höhe des HT war (hatte das überlesen), macht es nun auch Sinn, dass die Compact in den Höhen stärker abfällt!

    Ich ziehe folgendes Fazit:
    Eine Messung des "gewünschten" Effekts ist in keinster Weise deutlich und auch bei genauem Betrachten nicht zu erkennen. Die Messungen sind in gewissen Punkten nur schwer vergleichbar. (Mikrofonposition relativ zur Box und relativ zum Raum!)

    Ich denke, dass die Messungen der Couplet sehr deutlich zeigen, wie der Raum seine Finger im Spiel hat. Auch hier sind die D´Appos nicht negativ aufgefallen.

    Die Ausführungen von AH halte ich für sehr interessant. Wie könnte man diesen beschriebenen Effekt messen?

    MIKE

    Einen Kommentar schreiben:


  • Lonzo
    antwortet
    Hallo,

    @ AH: Selbst wenn eine beliebige Box mitten in einen sehr großen Raum steht machen sich Reflektionen schon unterhalb 3000Hz sehr stark bemerkbar und zwar mit einer Schwankungsbreite von immerhin 2 bis 8db (nach unten hin ansteigend) bei größeren Hörabstand auch noch mehr. Daher denke ich, das man eine D´Appolito Konstruktion nicht so einfach als schlechter oder besser gegenüber einer Box mit nur einen MT bewerten kann. Ich bin eher der Auffassung, das man die Ursache für die von dir angesprochene Verfälschung in der Trennfrequenz suchen muss.

    Gruß Lonzo
    Zuletzt geändert von Lonzo; 15.01.2004, 14:48.

    Einen Kommentar schreiben:


  • AH
    antwortet
    um das etwas zu veranschaulichen, schauen wir uns einfach eine schnell und willkürlich herausgegriffene Partiturseite einer Klaviersonate von Beethoven an:

    Finde deine Wunsch-Domain mit nur wenigen Klicks. ✓ Günstige Preise ✓ SSL-Zertifikat & ✓ 100 % deutsche Server bei freenet Mail


    Die Läufe in der rechten Hand reichen von d1 bis a3, das entspricht Frequenzen zwischen ca. 300Hz und knapp 2kHz. Wenn man einen Realtime-Analyzer bei der Musikwiedergabe mitlaufen läßt ist das auch wunderbar zu sehen, der Klirrfaktor eines Konzertflügels ist zwar relativ hoch, aber der Grundton dominiert doch eindeutig gegenüber den Oberwellen, man sieht also die einzelnen Noten klar im Analyzer. Eine typische d´appolito-Box ändert in diesem Frequenzbereich ihre Richtcharakteristik dramatisch, im unteren Frequenzbereich vertikal weit, um 1kHz aufgrund einer destruktiven Interferenz vertikal eng und bei 2kHz aufgrund einer konstruktiven Interferenz vertikal wieder weit.
    Während ein Lautsprecher mit nur einem Mitteltöner die Klangfarbe korrekt darstellt, verändert die d´appolito-Box die Klangfarbe als Funktion der Frequenz, was - ich wiederhole mich - überaus deutlich hörbar ist, das Klangbild ist schlicht "instabil".

    Daher bestehe ich weiterhin auf einer frequenzneutralen Richtcharakteristik ohne Sprungstellen und dergleichen Artefakte.

    Gruß

    Andreas

    Einen Kommentar schreiben:


  • AH
    antwortet
    noch eine kurze Stellungnahme zur d´appolito-Bauweise:

    "Bis uns klar wurde, dass dieser Vorteil der V 20 an der
    D'Appolito-Anordnung liegt. Der Raum wird im MT-Bereich dadurch weniger angeregt, d. h. es
    gibt weniger Reflexionen vom Boden und Decke, was zu einer klaren Wiedergabe führt, ohne
    irgendwie aufdringlich zu sein."

    Dies geschieht aber nicht frequenzneutral. Ich habe diverse Boxen in dieser Bauweise gehört, wenn man sich z.B. eine Tonleiter auf verschiedenen Instrumenten (z.B. Klavier oder einer Geige) anhört, schwanken Klangfarbe und Abbildung deutlich in Abhängigkeit von der Tonhöhe. Diese starke frequenzabhängigkeit des Klangbildes macht für mich den größten Lästigkeitsfaktor dieser Bauweise aus, das Klangbild verändert sich permanent in Abhängigkeit von der Tonhöhe, was ich als ermüdend und "unnatürlich" empfinde. Da die genannten Unstetigkeiten ausgerechnet in den mittleren Mitten auftreten, sind die beschriebenen Auswirkungen in der Musik, die in vielen Fällen ganz überwiegend in diesem Frequenzbereich stattfindet (Amplitudenstatistik von Tonaufnahmen kann man leicht nachmessen), stark hörbar.

    Hört man Rosarauschen, ist die Interferenz auch bei größeren Hörabständen deutlich im Klangeindruck "drin", es klingt immer etwas phasig im Vergleich zu Systemen mit einem Mitteltöner. Mein Eindruck von dieser Bauweise ist geradezu entgegengestzt zu den Beschreibungen von Visaton, der Klang ist "nicht eindeutig".
    Musik mit breiter und zeitlich konstanter Amplitudenverteilung (z.B. Pop) leidet in meinen Ohren nicht so sehr unter dieser Bauweise, da die Frequenzabhängigkeit der Unstetigkeiten in der Richtcharakteristik nicht zutage treten kann, denn es wird immer ein zeitlich recht konstantes Frequenzgemisch wiedergegeben (ich besitze nur drei Pop-Aufnahmen, die Amplitudenstatistik entspricht aber in allen Fällen recht gut Rosarauschen ) . Das Klangbild ist bei d´appolito-Boxen dann "konstant anders" im Vergleich zu Boxen mit nur einem Mitteltöner.

    Es gibt jedenfalls Möglichkeiten, die gewünschte Richtwirkung weitaus besser und gleichmäßiger zu erzielen, als ausgerechnet mit zwei interferierenden Mitteltönern. Von den denkbaren Lösungen ist das die wohl unbestreitbar schlechteste.

    Ansonsten kann ich nur nochmals wiederholen, daß das Gehör Direktschall und Reflektiertschall getrennt auswertet (Präzendenzeffekt, "Gesetz der ersten Wellenfront") und aus der Betriebsschallpegelkurve nicht ohne weiteres auf den Klangeindruck geschlossen werden kann. Wenn der Reflektiertschall klangfarblich vom Direktschall abweicht, ist das meiner Erfahrung nach sehr deutlich hörbar.
    Ich nutze in meinen Systemen 3"-Gewebekalottenmitteltöner in Verbindung mit 1"-Gewebekalottenhochtönern. Mit einem Griff am Poti kann man den Frequenzübergang ca. zwischen 2kHz und 4kHz hin- und herschieben, ohne das der Freifeld-Frequenzgang sich nennenswert ändert. Bei höheren Frequenzübergängen ist die Interferenz überaus deutlich hörbar (Lautsprecherabstand zu groß gegen die Wellenlänge) und die wahrzunehmende Klangfarbe ändert sich ebenfalls. In der gemessenen Betriebsschallpegelkurve ist das oft nur schwach zu sehen und man möchte nicht meinen, wie schwerwiegend sich diese geringfügige Senke gehörmäßig auswirkt, der Effekt ist allerdings im Unterschied zu den Messungen von Visaton durchaus zu sehen - ich messe dabei in ca. 70cm Abstand und 3m Abstand mit Terzrauschen.
    Die Ursache für die gehörmäßig schwerwiegende Auswirkung ist meines Erachtens, daß die Reflektion von der Klangfarbe her nicht zum Direktschall "paßt".

    Gruß

    Andreas

    Einen Kommentar schreiben:


  • volker
    antwortet
    Hallo ,
    man versucht also, bei der normalen (3weg) Anordnung das Defizit, zu viel Diffusschall(Hörraum) im Grundton durch anheben
    des MT auszugleichen, aber dann anfängt mit quäken. So Interpretiere ich dass jetzt mal so. Ich war gestern noch bei WeHa mit einem 3wege LS(GF 200/ W100S/G20SC der mit in 6db (500Hz) getrennt ist. Verglichen, gegen seine Ketchup-LS (Verpolt12db ca.200Hz) spielten diese (6db/500Hz) schlagartig direkt, tief und sehr druckvoll. Da seine Ketchup- LS modular aufgebaut ist, konnten wir seine Ketschup- Top mit W130S und zugestopften BR-Kanal (Leider ohne fc Entzerrung) mal schnell an einer 6db Trennung antesten. Hier zeigte sich der gleiche Effekt sofort ist der MT/HT- Bereich deutlicher geworden. Ich hole noch weiter aus, Die 12db Trennung die nahe Grundton getrennt wird, ist nicht so prall.
    In den meisten fällen muss dann bei 12db auch noch verpolt werden, damit sich’s addieren kann. Da aber der LS plötzlich im Raum an einer Raumwand steht, bekomme ich mit dem 12db Filter mehr Interferenzen ggü.6db Filter im Grundton, das sich dass auch noch Diffus/Hohl usw. unter umständen anhört kann ich glauben.

    Gruß, Volker

    Einen Kommentar schreiben:


  • Krips
    antwortet
    Hallo Allerseits,

    zunächst mal gaaanz ganz grossen Respekt vor den Visatönern !
    Nicht jeder Hersteller würde solche Messungen anstellen, die ja immerhin das Risiko beinhalten, auch Fehler/Schwächen der eigenen Produkte zutage zu fördern.

    In gewissen Grenzen ist da ja auch passiert - Senken im Mitteltonbereich, Anstieg im Grundtonbereich, der sich im Bass noch fortsetzen dürfte, Insgesamt Welligkeiten im Diffusfeld, zum Teil wie vorausgesagt.

    Um allerdings die tatsächliche "Katastrophe" abschliessend bewerten zu können, müsste man noch Messungen eines abstrahloptimierten (Studiolautsprechers) in den gleichen Räumen haben, wäre mal interessant zu sehen, wie sich so ein Teil tatsächlich verhält.

    Mal ein paar eigene Erfahrungen:
    Nachdem ich in der Vergangenheit im Wesentlichen klassische Zweiwegeriche mit schmaler Schallwand hatte, habe ich meine letzten beiden Konstruktionen als 3-Wegeriche in d'Appo-Anordnung mit sehr breiter Schallwand gebaut (60 cm und 50 cm) und den Bafflestep der geschlossenen Konstruktionen jeweils nicht entzerrt .
    (In dem Zusammenhang kann ich, wenn es nicht auf Wirkungsgrad ankommt übrigens den FRS 8 als MT von 400-3000 Hz sehr empfehlen, wenn es den doch mit mehr Wirkungsgrad gäbe...)
    Die Weichen sind sehr steilflankig (bei einer Box 18 dB Butterworth akustisch, bei der anderen 24 dB ), um den Bündelungsbereich der Chassis auszublenden und somit konstante Schallenergieabgabe zu bekommen.

    Gegenüber früheren Konstruktionen fällt auf, dass der Bass schlanker, die Mittellagen klarer und deutlicher sind. Erstaunlicherweise habe ich subjektiv das Gefühl, das der Bass tiefer reicht und man wesentlich mehr Differenzierung dort hat.

    Insofern kann ich AH's Aussagen auch praktisch nachvollziehen. Einen "Nachteil" haben diese angenährten 2-Pi Strahler:
    Bei z.B. Klassik ist die räumliche Darstellung sehr realistisch und stabil bezogen auf Breite, Tiefe und Lokalisationsschärfe, bei Studioproduktionen, wie den meisten Pop, Rock und Jazz Aufnahmen ist allerdings festzustellen dass sich die "Räumlichkeit" in erster Linie auf der Verbindungslinie zwischen den Boxen abspielt und an den Boxen auch endet.

    Positiv habe ich noch festgestellt, dass die Konstruktionen unkritischer bezüglich der Aufstellung sind.

    Warum ich das alles erzähle ?

    Ich persönlich finde es schade (auch wenn ich das wegen WAF und Optik nachvollziehen kann) dass sich für "Hifi" Lautsprecher durchgesetzt haben, die nachweisliche Mängel im Abstrahlverhalten haben, die sich auf die Tonalität auswirken und die prinzipbedingten Fehler (übertriebene Räumlichkeit, "Soundung" etc.) mittlerweile schon vom Konsumenten erwartet werden. Da haben sich objektive Produktfehler sogar als gewünschter Standard durchgesetzt. Andererseits will und kann sich nicht jeder einen Studiomonitor hinstellen.
    Da kann ein Lautsprecher, wie ihn AH und auch ich (ähnlich) propagieren, den Hörer der musikalischen/tonalen Wahrheit näher bringen, sofern man die will.
    Mir jedenfalls ist die Einstellung, dass der Lautsprecher einer bestimmten "Soundvorstellung" entsprechen soll, sehr suspekt.
    Der Lautsprecher soll IMHO nur REPRODUZIEREN, mehr nicht (im Idealfall).
    Seltsamerweise erwartes man genau das von anderen Komponenten einer Anlage, warum nun ausgerechnet der ohnehin unzulänglichste Teil der Anlage, nämlich der Lautsprecher, dazu herhalten muss, einen bestimmten Sound zu produzieren, kann ich nicht wirklich verstehen.
    Naheliegender wäre da doch, Lautsprecher auf möglichst neutrale, "einmischungsfreie" REPRODUKTION zu optimieren.

    Um da keine Missverständnisse aufkommen zu lassen:
    Meine Kritik richten sich nicht direkt an Visaton, immerhin gibt es ja einige Produkte, die aus meiner Sicht in die richtige Richtung gehen.

    Gruss
    Peter Krips

    Einen Kommentar schreiben:


  • VISATON
    antwortet
    @ Volker: Zwei Tieftöner (oben und unten), die nach vorn abstrahlen, halte ich auch für positiv. Ich habe allerdings nicht gesagt, dass nur ein Mitteltöner "quäkt", sondern dass er dann zu vorlaut wird, wenn man ihn im Pegel anhebt, um die gleiche Deutlichkeit zu bekommen wie man sie bei zwei Mitteltönern in D'Appolito-Anordnung erreichen kann. Ich glaube die deutliche, intensive Wiedergabe des B 200 hat u. A. die gleiche Ursache: Bündelung schon im Mitteltonbereich, wodurch störende Raumreflexionen zurückgedrängt werden.

    @ Lonzo: Der Superhochtonbereich fällt immer besonders stark mit steigender Entfernung ab. Eine Pegelabsenkung der G 20 SC bei 20 kHz halte ich für völlig unnötig.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Lonzo
    antwortet
    Hallo,

    mich erstaunt das der etwas erhöhte Superhochton bei der 4m Messung Linear ist, obwohl K&T das irgendwann einmal als Manko bezeichnet hat und auch gleich eine Modifaktion anbot, währe demnach gar nicht nötig gewesen.

    Gruß Lonzo

    Einen Kommentar schreiben:


  • volker
    antwortet
    Hallo Admin,

    ich glaube das nicht, das D´Appolito der Grund für eine besser Deutlichkeit hat. Der Grund ist meiner Meinung nach nicht das D´Appolito, sondern die Anordnung der Basschassis der V20/CONCORDE machen den Unterschied . Mit dieser Anordnung bekomme ich einen ausgeglichenen SPL-(Grundton) in den meisten Hörräumen gepustet. Ich kann mir nicht vorstellen, das eine V20/CONCORDE mit einem MT dann quäken soll. Mit solch ein LS, hört man (im Raum) mehr Direktschall als Diffusschall.(im Grundton)

    Gruß, Volker

    Einen Kommentar schreiben:


  • VISATON
    antwortet
    Heute ist wieder so viel geschrieben worden, da kommt man ja überhaupt nicht mit.

    Ich schreibe zuerst mal was zum Beitrag von Mike: Ich finde die Argumentation nicht richtig. Die schmalbandige Überhöhung von 3 dB bei der VOX kommt eindeutig nur vom Raum. Es kann gut sein, dass auf einem Platz 1 m daneben eine Senke von 3 dB genau bei dieser Frequenz zu messen ist. Ich habe oben im Kommentar zu den Messungen geschrieben, dass die Mikrofonhöhe unterschiedlich sein musste. Bei der VOX stand es genau auf Achse zu HT, bei der Compact auf Höhe TI 100. Allein dadurch kann es schon im unteren Frequenzbereich deutliche Unterschiede geben. Dann ist zu berücksichtigen, dass bei der VOX der TT näher zur Wand positioniert ist, was den Raum auch wieder anders anregt. Wer schon mal Messungen im Wohnraum gemacht hat, weiß wie schwierig das alles ist. Deswegen habe ich die rote Kurve eingezeichnet. Das wäre bei verschiedenen Aufstellungen der Mittelwert. Wenn man von dieser Kurve ausgeht, verschiebt sich die ganze Rechnung um 3 dB und die VOX wäre linearer. Ich sage bewusst "wäre", denn Wohnraummessungen sind im Bass und Grundtonbereich derart ungenau, dass man nur unter Mittelung vieler Einzelmessungen eine vernünftige Aussage machen kann.

    Mir ging es bei dieser Aktion vor allem um den Mitteltonbereich 800 - 8000 Hz. Um mein Anliegen deutlich zu machen, muss ich leider etwas ausholen.

    1990 haben wir die Experience V 20 entwickelt. Der Bass und die Höhen könnten bei dieser Box zwar mit teueren Chassis (GF 200 und G 25 HE) deutlich besser werden, aber im Mittelton war sie viele Jahre lang unsere Referenz. Immer wenn wir andere Boxen abgestimmt haben, mussten sie gegen die V 20 antreten. Boxen mit nur einem Mitteltöner, die im Messraum einen vorbildlichen Frequenzgang hatten, waren im Mitteltonbereich im Vergleich zur V 20 etwas "undeutlich". Die erste Reaktion war: MT anheben! Das führte immer sofort zu einer quäkigen, lästigen Wiedergabe. Bis uns klar wurde, dass dieser Vorteil der V 20 an der D'Appolito-Anordnung liegt. Der Raum wird im MT-Bereich dadurch weniger angeregt, d. h. es gibt weniger Reflexionen vom Boden und Decke, was zu einer klaren Wiedergabe führt, ohne irgendwie aufdringlich zu sein. Wir haben uns damit abgefunden, dass mit einem einzigen Mitteltöner dies nicht erreicht werden kann. Das soll jetzt keine Abwertung der konventionellen Bauweise sein. D'Appolito hat eben eine andere Charakteristik. Der große Erfolg der VOXen und der Couplet hat uns darin bestätigt, dass sehr viele andere genauso empfinden.

    Vor einiger Zeit las ich dann im Forum Beiträge von AH. Auch wenn ich nicht immer seiner Meinung bin, weiß ich, dass er grundsätzlich fundierte Beiträge schreibt. Ich zitieren nur einige Stellen. Wer alles lesen will, kann hier nachschauen:

    Vor allem AHs Beiträge zur Couplet lesen (weiter hinten)

    ...Die Couplet ist eine äußerst unglückliche Konstruktion, bei der Schallwandeinflüsse zu einer Überhöhung des Freifeld-Frequenzganges zwischen 1kHz und 2kHz führen, wie Visaton sogar selbst schrieb.
    Das wird entzerrt, was dazu führt, das ein Mittenloch im Diffusfeldfrequenzgang zurückbleibt. Da von den richtungsbestimmenden Blauertschen Bändern her ein "Diffusbereich" unterrepräsentiert ist, kann das gehörmäßige Ergebnis dieses Fehlers durchaus positiv bewertet werden, je nach Hörerfahrung.
    Die Couplet beinhaltet die charakteristischen "Krankheiten" moderner hifi-Konstruktionen. Zu geringes Bündelungsmaß im Grundtonbereich, selektive Bündelung der Mitten, dagegen zu geringes Bündelungsmaß in den oberen Mitten, wo die freistehende Kalotte zum Einsatz kommt. Durch die große Bandbreite der Tieftmitteltöner ist zudem die Intermodulation in den Mitten höher......
    Dies führt dann zum beschriebenen Phänomen, daß durch die Absenkung des durch Schallwandartefakte auf der Bezugsachse überhöhten Mittenbereichs im in alle Raumrichtungen abgegebenen Schall ein dickes Mittenloch entsteht ....
    Diese Argumentation ist nicht von der Hand zu weisen. Andererseits wusste ich, dass die Couplet ganz und gar keine Mittensenke hat - weder messtechnisch im Messraum noch nach Gehör. Irgendwann habe ich dann die Couplet in zwei unserer Hörräume gemessen (der "gelbe" unten in der Technik und der große oben neben der Cafeteria). Nach der Theorie hätte ich ja eine Senke zwischen 1 kHz und 3 kHz durch die Absenkung und mit Einsetzen der Kalotte dann zusätzlich eine Überhöhung ab 4 kHz erwartet. Aber nichts dergleichen (siehe Messungen). Ich habe mir das damit erklärt, dass diese Räume, obwohl groß, und der obere durch Entfernen der Absorberwände scheußlich hallig, von einem echten Hallraum meilenweit entfernt sind.



    Abb. 3: Couplet im "gelben" Hörraum - schwarz: 1m - blau: 2 m - rot: 4 m
    .
    .
    .



    Abb. 4: Couplet im großen Hörraum (90 m²) - schwarz: 1m - blau: 2 m - rot: 4 m

    Man beachte, wie raumabhängig der Frequenzgang bis weit in den Mitteltonbereich ist. Bei 500 Hz ist in dem einen Raum eine Überhöhung, im anderen an gleicher Stelle eine Senke. Deswegen darf man auch bei den Messungen der VOX und der Compact im Grundtonbereich die dBs auf keine Fall auf die Goldwaage legen.

    Dann fing vor ein paar Tagen Farad an, mit Kritik an der VOX, die ja eine ähnliche MT-HT-Bestückung wie die Couplet hat, in die gleiche Kerbe zu schlagen. Da ich annahm, dass man in den großen Räumen wegen der hohen Decken diesen Effekt nicht messen kann, habe ich die VOX im Büroraum gemessen. Aber auch wieder nichts!




    Dass der Grundtonbereich der VOX sehr stark ist, ist nicht neu und sicher eine Voraussetzung für den überragenden Erfolg dieser Box. Nicht alle mögen das, was ich auch nachvollziehen kann, vor allem, wenn die VOX in der Ecke stehen muss. Ich habe oben schon betont, dass es eine Kleinigkeit ist, den Mittel-Hochtonbereich ab 500 Hz um 3 - 4 dB anzuheben. Aber dann würde bei anderer Aufstellung sicher vielen Leuten die Wärme im Klang fehlen.

    Ich wiederhole noch mal: Eine Senke im Mitteltonbereich wegen der unterschiedlichen Bündelung der verschiedenen Chassis habe ich nicht feststellen können. Den Grundton sollten wir bei diesen Messungen nicht berücksichten. Dazu müsste man in mehreren Räumen und unterschiedlichen Positionen messen.

    @ Farad: Irgendwas kann mit der Berechnung des Hallradius' nicht stimmen. Die Messung in 8 m (!) Abstand habe ich leider nicht parat. Erst da sah man dann deutlich das Bündelungsmaß durchschlagen. Du bist übrigens herzlich zu einem Besuch bei uns eingeladen. Dann können wir uns in Ruhe die verschiedenen Boxen anhören und auch messen.

    @ derjan: Die Atlantis wäre sicher noch interessanter als Vergleich gewesen. Könnte ich noch nachholen.

    @ Krips: Das Neutrik misst wirklich alle Reflexionen mit. Das Mitlauffilter-Modul war gar nicht eingeschleift.

    @ AH: Ich finde, man sollte die Kirche im Dorf lassen und die Studionormen nicht so streng im HiFi-Bereich anwenden. Hier herrschen andere Gesetze. Im letzten Jahr haben die von mir schon öfter erwähnten Studenten der FH-Düsseldorf in einer Arbeitsgruppe unter Leitung von Prof. Leckschat bei uns im Labor Heimkino-Studio-Lautsprecher entwickelt (mit Visaton-Chassis natürlich). Das ist doch eine ganz andere Veranstaltung. Ich weiß nicht, ob unsere Kunden damit zufrieden wären.

    Einen Kommentar schreiben:


  • Farad
    antwortet
    Und den stärkeren Höhenabfall über 5kHz der Atlas finde ich ebenso etwas rätselhaft.
    den find ich klasse. Wenigstens ETWAS, was ich höre und sich auch messen lässt.

    Der Rest ist ewas dubios. VOXx200 gegen Atlas200 bzw VOX252 gegen Altas250 wäre wirklich interessant. An genau gleicher Raumposition.


    und eben auch der Hallraum. Der würd mich doch noch interessieren.

    farad

    Einen Kommentar schreiben:


  • MikeMcFluke
    antwortet
    Was genau soll die Position des TT denn im Bereich um 300Hz für Auswirkungen haben?
    Wäre dankbar, wenn mir das jemand mal genauer erklären könnte...

    bzw.

    Ist das nicht genau das Problem? Die VOX hat den TT in der Seite, genau das is doch der Punkt "einer" Kritik gewesen, oder nicht?

    MIKE

    Einen Kommentar schreiben:


  • US.
    antwortet
    Hallo,

    ich hab mir die Dias nun auch 100 mal angeschaut

    Ich denke Mike liegt mit seiner Analyse ziemlich richtig

    Zwischen 500Hz und 5kHz verlaufen die Kurven der Atlas eindeutig gleichmäßiger, mit fast konstantem Abstand, was auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Direkt- und Diffusschall schließen läßt.

    Zwischen 1kHz und 3kHz fällt bei der Atlas der Pegel absolut gesehen etwas (Badewanne). Dies hat anscheinend seine Ursache schon im Freifeldfrequenzgan, denn die 1m und 3m-Kurven verlaufen auch dort parallel.

    In den Bereich unter 400Hz würde ich nicht so viel reininterpretieren, da sich hier die unterschiedliche Positionierung der Tieftöner wohl stark auswirkt.

    Eines kann man aber sagen im konkreten Fall:
    Der Summenpegel unter 400Hz der Atlas wäre im konkreten Fall leicht entzerrbar; bei der Vox (Berg- und Tal) nicht unbedingt.

    Was mir fehlt ist eine Senke um die 2kHz bei der Vox
    Und den stärkeren Höhenabfall über 5kHz der Atlas finde ich ebenso etwas rätselhaft.

    Gruß, Uwe

    Einen Kommentar schreiben:


  • MikeMcFluke
    antwortet
    ICH HABS MIR NOCHMAL ANGESCHAUT!

    Hallo!

    Ich nun nochmal:

    Ich habe die Grafiken nun mal deutlich gezerrt und genauer betrachtet! Vielleicht ist es ja so, dass man das Gesuchte nicht findet, da es einfach nicht da ist...

    ABER

    Die Differenz sollte und doch eigentlich die Antwort auf die Frage geben! Also, wieviel fällt der Pegel von 1m auf 3m Abstand ab?

    Da sieht es doch ganz klar wie folgt aus:

    VOX:
    - 500Hz: KEIN Pegelverlust!
    500 - 5k: von 0 auf 6dB nahezu linear anwachsend
    5k - 20k: zw. 6 und 8dB, leicht anwachsend

    COMPACT:
    - 500Hz: 4dB Verlust
    500 - 5k: von auf 5dB anwachsend, kleine Ausreißer max aber nur 6dB
    5 - 20k: von 5 auf über 10dB anwachsend

    Erklärung:
    Der VOX fehlen bei 300Hz etwa 6dB! Die Compact hat hier auch gut 8dB Verlust. Geht man von einem Raumartefakt aus, so ergibt sich:
    VOX 0dB, Compact gut -2dB!!!! Das paßt wunderbar in den sonst so gleichmäßigen Abfall der Compact!

    Der zunehmend stärkere Abfall bei der VOX in den Mitten ist doch gemessen, also was wollt Ihr denn. Da isses doch!

    Bei den Höhen weiß ich es nicht! Warum verliert die Compact mehr Pegel als die VOX???

    MIKE

    Einen Kommentar schreiben:


  • MikeMcFluke
    antwortet
    @ AH:

    Vielen Dank!

    MIKE

    Einen Kommentar schreiben:

Lädt...