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Yves 30.07.2019 18:32

Gestaltung der Hornmündung
 
Hi Leute,

stellen wir uns mal ein Backloaded-Horn vor.

Wie würde es sich eurer Meinung oder Erfahrung nach auswirken, wenn die Mündungsfläche (etwas) kleiner ist, als sich aus der Hornfunktion ergibt?

Wohlgemerkt, exakt bis zur Hornmündung folgt der Kanal der Hornfunktion und nur die Mündungsfläche selbst ist kleiner.

Meine Frage zielt darauf ab, was passiert, wenn man z. B. aus optischen Gründen die Mündung als Anordnung mehrerer gefräster Nuten in der Frontplatte ausführt.

VG Yves

mechanic 30.07.2019 19:30

Einen Gullideckel hat wohl noch keiner vor ein Basshorn gehalten :D; ich denke mal, das gibt ein wesentlich deutlicheres hoch und runter im Frequenzgang als das üblicherweise bei den zu kurzen und zu kleinen Hörnern ohnehin schon vorliegt.

Da man das mit ziemlicher Sicherheit nicht rechnen kann: Gib jemanden (im Forum) mit einem Horn mit ähnlichen Öffnungsfläche und der Fähigkeit zum Messen (inkl. Impedanzkurve) einen MDF-Kanaldeckel zum Davorklemmen und schau dir an, was passiert :).

Da ist doch gerade jemand an einem BG20-Horn dran ...

Yves 30.07.2019 22:16

Ja das wäre eine Idee, einfach mal machen und schauen/messen was passiert.

Um nochmal beim theoretischen Teil zu bleiben: Irgendwann erfolgt dann ein Übergang zum geschlossenen Gehäuse. Eine andere Interpretation ist BR mit einem Resonator, dessen Querschnitt der kleineren Mündung und dessen Länge der Brettstärke entspricht.

Mich interessiert praktisch aber eher der Fall einer Reduzierung der Mündungsfläche um vielleicht 5 bis 20 Prozent.

Yves 31.07.2019 20:10

Also, ich greife die Idee von Klaus auf :)

Hat jemand von euch zufällig ein Rearloaded Horn mit BG20 (oder anderem 20er) sowie die Möglichkeit zu Messen?

zxlimited 01.08.2019 10:07

Ein Horn hat den alleinigen Sinn und Zweck einer besseren Anpassung der Strahlungsimpedanz der kleinen Lautsprechermembran an die Umgebung. Das wird durch die kontinuierliche Aufweitung erreicht. Ein plötzlicher Querschnittssprung stellt einen Impedanzsprung dar, also eine dramatische Fehlanpassung. Das Ergebnis wird eine (Teil-)Reflexion zurück ins Horn sein, mit dem von Klaus genannten Gezappel im Frequenzgang und einer Abschwächung der gewünschten Hornwirkung. Also äußerst kontraproduktiv!

goofy_ac 01.08.2019 10:35

Zitat:

Zitat von zxlimited (Beitrag 448700)
Ein plötzlicher Querschnittssprung stellt einen Impedanzsprung dar ... mit dem von Klaus genannten Gezappel im Frequenzgang und einer Abschwächung der gewünschten Hornwirkung

Als reine Verständnisfrage: Ist das, was Du da beschreibst, vergleichbar mit dem in der KE (z.B. mit WG als "Horn") eingesetzten Diffusorring? Soll heißen, dass an anderer Stelle das Gezappel bewusst als Effekt genutzt wird?

zxlimited 01.08.2019 13:17

Ich würde den Diffusorring eher nicht als Impedanzanpassung ansehen, eher als Resonator. Gezappel macht der allerdings auch, nur dass es in dem Fall gewollt ist ;)

goofy_ac 01.08.2019 13:40

Ich Danke Dir :)

ropf 01.08.2019 13:44

Zitat:

Zitat von zxlimited (Beitrag 448700)
Das Ergebnis wird eine (Teil-)Reflexion zurück ins Horn sein, mit dem von Klaus genannten Gezappel im Frequenzgang und einer Abschwächung der gewünschten Hornwirkung. Also äußerst kontraproduktiv!

Hmmm - der Querschnittssprung eines zu kleinen Mundes ergibt eine negative Reflexion zurück ins Horn, der einer teilweisen Abdeckung eine positive ... So gaaanz abwegig scheint mir der Gedanke nicht, dass sich das gegenseitig canceln könnte.

zxlimited 01.08.2019 15:05

Interessanter Gedanke. Ich nehme an Du meinst ein zu kurzes Horn, also kürzer als Lambda/4 , woraus dann bei gegebener Länge natürlich auch eine kleinere Mundfläche resultiert?
Allein, ich mag nicht recht glauben, dass eine sprunghafte Verkleinerung des Querschnitts zu irgendwas gut sein kann oder gar ein ohnehin schon zu kleines Horn positiv beeinflussen kann... Zumal sich die 2 Faktoren meiner Meinung nach nicht aufheben, sondern Du nur einen weiteren Sprung hinzufügst: beim "nur" zu kurzen Horn hast Du eine sprunghafte Aufweitung am Mund. Bei der hier diskutierten Variante hast Du eine sprunghafte Verjüngung am Mund UND direkt danach eine noch dramatischere sprunghafte Aufweitung.
Ich hab zwar keine Ahnung von Hörnern, aber irgendwas sagt mir dass das nicht erstrebenswert ist... :confused:

Horrexx 01.08.2019 15:30

Ein -akustisches- horn hat immer eine Wirkung auf den Frequenzgang, und irgendein Hindernis kann man nicht durch ein anderes annullieren.
Ein "ideales" Horn ist geradlinig, ohne Störung und mündet am besten in eine Ebene - es sollte also ein Kugelwellentrichter sein. Diese Aussage bezieht sich auch auf Bass- Horner, wobei bei kleineren Räumen durchaus wegen der kleineren Dimensionen etwas verkürzt sein darf.
Eine Horn- Wiedergabe kann unter diesen Voraussetzungen tatsächlich (positiv) überragend sein.

Peter

Yves 01.08.2019 23:41

Endlich wird es spannend ;)

Ich stimme zu, dass es einen Impedanzsprung geben könnte oder sollte. Das müsste aber bei den erprobten und bestens funktionierenden Hörnern mit rechteckigen Kanalabschnitten auch innerhalb des Hornverlaufs so sein. Dort aber hilft es sogar gegen Welligkeit. Beispiel ist das Cobra Horn. Impedanz im Kanal als Widerstand gegen Resonanzen...

Mein Gedanke war, dass ein an sich ideales Horn vom Raum unterstützt wird und die lokale Verengung nicht vom Tiefton gesehen wird, sondern nur von etwas höheren Frequenzen. Das "Brett" vor der Mündung, was diese um vielleicht 20 % verkleinert, könnte somit wirken wie eine lokale Dämpfung mittels Wolle. Klar, wenn man 50 oder 75 % dicht macht, bringt es nichts und dann hat man kein Horn mehr, sondern eine Art BR.

zxlimited 02.08.2019 00:25

Na ja... Wolle absorbiert, ein Impedanzsprung reflektiert.
Wolle am Hornmund (wer käme auf die Idee?) vermindert nur die Wirkung des Horns. Ein Impedanzsprung am Hornmund vermindert die Wirkung des Horns UND macht Schweinereien im Frequenzgang, wie ich in meinem ersten Post bereits sagte. Kann man schon machen, wenn es optisch oder aus irgendwelchen anderen Gründen sein muss. Besser wäre es ziemlich sicher ohne.

Horrexx 02.08.2019 09:48

Hallo Yves,

Dein Gedankengang war etwas zu kompliziert, er geht in Bereiche, wo die Physik mit guten Erklärungen aufhört.
Um konkret zu werden ein paar vorhandene Umsetzungen:
1. Manchmal werden Lautsprecher und Horn-Öffnung mit einem (geeignetem) Gewebe abgedeckt,
was nur ein wenig den Klang beeinflusst (mehr in den Höhen).
Im Bass hat es praktisch keinen Einfluß. Aber wozu bei einem Horn die grosse Öffnung abdecken.
Man läßt häufig die Öffnung offen.
Eine Zahnung aus geschnittenen Platten würde zu viel Querschnittsfläche in Anspruch nehmen und würde auch bei tiefen Tönen "hörbar" werden.

Peter

jhohm 02.08.2019 10:09

Zitat:

Zitat von Yves (Beitrag 448721)
Endlich wird es spannend ;)

Ich stimme zu, dass es einen Impedanzsprung geben könnte oder sollte. Das müsste aber bei den erprobten und bestens funktionierenden Hörnern mit rechteckigen Kanalabschnitten auch innerhalb des Hornverlaufs so sein. Dort aber hilft es sogar gegen Welligkeit. Beispiel ist das Cobra Horn. Impedanz im Kanal als Widerstand gegen Resonanzen...

Mein Gedanke war, dass ein an sich ideales Horn vom Raum unterstützt wird und die lokale Verengung nicht vom Tiefton gesehen wird, sondern nur von etwas höheren Frequenzen. Das "Brett" vor der Mündung, was diese um vielleicht 20 % verkleinert, könnte somit wirken wie eine lokale Dämpfung mittels Wolle. Klar, wenn man 50 oder 75 % dicht macht, bringt es nichts und dann hat man kein Horn mehr, sondern eine Art BR.

Hallo,

spannend wird es IMHO weniger; eher unlogischer!
Warum? - Nun, scharfe Knicke innerhalb des Hornes helfen in der Tat, unerwünsche Artefakte daran zu hindern, aus der Hornmündung auszutreten, das stimmt.
Aber, wie man sieht, der besinden sich diese "Störzonen" NUR am Rand des Hornes, der innere Bereich ist immer völlig frei; auch Dämpfungsmaterial wird, wenn überhaupt, NUR auf die Wände aufgebracht.

Was Du jetzt machst, ist, diese Störzonen auch in den mittleren Teil des Horns einzubringen, und sorgst damit dafür, dass das eh schon nicht richtig an den Raum angepasste (weil idR zu kleine) Horn noch schlechter angepasst wird; heisst, ausser Wirkungsgradverlusten durch ziemlich chaotische Strömungen gibt es keinerlei Vorteile für irgendwelche Gitter vor den Boxen


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